EINKAUFSKORB-POLITIK
MENSCHEN

Leo Lukas - Der Kabarettist des Jahres 2006, erzählt checkpot von seinen
Essens- und Einkaufgewohnheiten.











Ich bin ein Grüner der allerersten (Latzhosen-) Stunde und, wenn ich nachrechne ... jegerl, schon über ein Vierteljahrhundert bemüht, mich bewusst zu ernähren. Wobei mir nicht nur wichtig ist, WAS ich zu mir nehme, sondern auch, WIE es bis in meine Küche gekommen ist. Soll heißen: möglichst wenig Ausbeutung der beteiligten Menschen und Ressourcen. Also biologische Produkte, versteht sich, artgerechte Tierhaltung, und dann auch noch fair gehandelt. Das ist mir wirklich wichtig. Ich sag gern selbstironisch, ich bin diesbezüglich ein derartiger Fanatiker, ich tät auch Bio-Zahnstocher kaufen, wenn es sie im "Weltladen" gäbe ...


Im Ernst, ich gehe die Sache nicht dogmatisch an; auswärts nehme ich durchaus "normale" Sachen zu mir, und ab und zu eine kleine Sünde am Würstelstand oder so darf auch sein. Aber bei mir zuhause gibt's praktisch nur Bio- und Fairtrade-Produkte. Man macht ja schließlich "Politik mit dem Einkaufskorb", und zwar in jedem Fall, so oder so.


Da ich im "grünen" siebenten Wiener Gemeindebezirk wohne, tu ich mir damit natürlich leichter als anderswo, wir haben hier eine Fülle von Bioläden und dergleichen. Außerdem habe ich ein "Biokistl" abonniert: Wir sind einer von 3000 Haushalten, die einmal wöchentlich vom niederösterreichischen Biohof Adamah beliefert werden. Das hat neben der Bequemlichkeit noch zwei weitere große Vorteile. Erstens, da sind auch oft alte, wieder kultivierte Gemüse- und Obstsorten dabei, die man sonst in keinem Geschäft bekommt. Ich steh ganz besonders auf manche so richtig knackige und eher säuerliche Apfelsorten. Und zweitens werde ich dadurch auf sanfte Weise gezwungen, auch mal etwas Anderes zu kochen, beispielsweise Schwarzwurzeln oder Rote Rüben, zu denen ich im Supermarkt eher nicht greifen würde.

Den Unterschied zur Massenware schmeckst du tatsächlich, das ist generell echt frappant. Freilich spürst du's auch im Geldbörsel. Trotzdem bin ich gern bereit, höhere Preise zu bezahlen. Ich hab mir halt angewöhnt, auch bewusster einzukaufen, gezielter, in kleineren Mengen. Denn wenn wir uns ehrlich sind - von Großpackungen aus dem Diskonter bleibt nicht selten etwas übrig, wird schlecht und schließlich weggeworfen. Aber die meisten Leute berechnen das nicht ein, die sehen nur Supersonderangebot, ein Kübel Mandarinen um fast kein Geld ... Wenn dann die Hälfte davon verschimmelt, haben sie im Endeffekt gleich viel bezahlt wie im Bioladen, bloß für viel schlechtere Ware.

Was das Kochen betrifft, halte ich mich nur ganz selten an Rezepte. Ich versuche eher, in mich hinein zu hören, oder besser: zu schmecken, was zu den gegebenen Ausgangsprodukten am besten passen könnte. Meistens funktioniert das ganz gut. Ich koche sehr gern, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich nicht unbedingt jeden Tag MUSS. Ich hab keinen Stress damit, sondern kann es genießen, und zwar vom Einkauf über die Zubereitung bis zum Verspeisen. Und so soll es doch sein, oder nicht?

Liebe Grüße, Leo Lukas




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