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Ich will mir ein Messer kaufen. Ich will mir ein Messer kaufen. ICH WILL MIR EIN MESSER KAUFEN.









1.
Man kennt das: Man kauft sich ein Messer. Man verliebt sich und ritzt zwei Namen in eine Baumrinde. Der Baum blutet. Jahre später blutet dann das Herz, und das Messer wird wieder interessant. Aber die Klinge ist mittlerweile stumpf geworden.

Du willst mit dem Messer, aber das Messer will nicht mit Dir. Ein neues Messer muss her.

2.
Piazza della Italia, Foto Maniago muss Dein nächstes Ziel sein – da Du in Deinem gegenwärtigen Zustand nichts von Österreich sehen kannst, willst Du dorthin, wo dich nichts erinnert (und Dich folglich nichts an Dein Herz erinnert). Maniago – der Name leitet sich vom lateinischen maniacus ab – ist alt, schlicht, fremd. Keine Touristen, nichts los. Nur Du bist dort. Vor allem ist Maniago die Stadt der Messer.

Von den 100.000 Einwohnern begegnen Dir am ersten Samstag 300. Marktstände haben sich um den Brunnen auf der Piazza Italia aufgestellt, Lastwägen, Motorräder und Autos verstellen alles, und der Palazzo d’Attimis ist grünlich beleuchtet. Der Regen macht das Städtchen zum Reptil.

Kein deutsches Wort. Nichts, was Dich erinnert.


3.

Großen Eisenwaffen wurde in Maniago im 15. Jahrhundert Leben eingehaucht: Zeitgleich mit dem Fall von Konstantinopel ließ Graf Nicolò einen Teil des Colvera für eine bessere Bewässerung der umliegenden Felder in einen Kanal umleiten, was die Grobschmiede, die an der Waffenproduktion für die Republik Venedig erheblich beteiligt waren, sehr begrüßten. Dreihundert Jahre später begannen die Schmiede, feinere Schneidewerkzeuge herzustellen: Die Präzision wurde bei der Herstellung immer bedeutender; die Eisenwaffen verkleinerten sich und die Werkstätten schrumpften teilweise zu Nischen in Hausküchen zusammen. Die Werkstätten wurden zu Familienbetrieben. Messer vermehrten sich.

Anfang des 20. Jahrhunderts baute ein Deutscher die erste Fabrik in Maniago – der technische Fortschritt erlaubte in kurzer Zeit die Herstellung einer großen Menge und Artenvielfalt an Messern auf verhältnismäßig kleinem Raum.

„Wirklich gut ist ein Messer nur, wenn es auch gut schneidet“, meinen sie alle und prosten sich mit einem Merlot aus den Weinkellern des Conte d’Attimis zu.


4.

Am dritten verregneten Tag machst Du Dich wieder auf die Suche nach einer Messerfabrik. Du hetzt die Straßen auf und ab, auf den Hügel, vorbei an Baustellen, vorbei an Gebäuden, die Dich an das Haus Deiner Großeltern erinnern; die Straßen bleiben menschenleer (zwei Hunde und fünf Katzen laufen Dir über den Weg), die Messerfabriken bleiben Dir verborgen. Dir kommt langsam der Verdacht, sie haben es zu Fleiß gemacht; sie haben die Messer vergraben, bevor Du kamst. Eine ganze Stadt voller vergrabener Messer. Und würdest Du nur etwas graben, Du würdest Dich verletzen. „Doch das Messer sieht man nicht.“


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