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Herrnbaumgarten. Das verruckteste Dorf landauf landab. Richtig, verruckt – nicht verrückt.
DAS ANDERE DORFSonntagsausflüge müssen nicht immer am Sonntag stattfinden. Genauso, wie ein Dorf im Weinviertel, nahe des Dreiländerecks Österreich-Tschechien-Slowakei, nicht im Niemandsland der Langeweile liegen muss. Also machten wir uns samstags auf nach Herrnbaumgarten, ins verruckteste Dorf landauf landab. Richtig gelesen: verruckt und nicht etwa verrückt! Das Nonseum Solcherlei Wortspielereien finden sich viele, sagen wir mal, ein ganzes Museum und ein halbes Dorf voll. Das Nonseum wurde vom Verein für Verwertung von Gedankenüberschüssen ins Leben gerufen, um sogar den unverwertbarsten Gedankenüberschüssen eine Plattform zu bieten. Hier sind Objekte und Erfindungen wie der halbautomatische Nasenbohrer, der Hutlüfter, das tragbare Loch, die Zanhnspange für die dritten Zähne u.v.m. ausgestellt und zu verwundern. Der Eintrittspreis ins Nonseum beträgt 5,47 Euro, beinhaltet ein Kostgläschen, denn schließlich ist man in einer Weinregion zu Gast, und ist exkl. eines Rundungszuschlags zu verstehen – man ahnt schon: Der Eintrittpreis ist verhandelbar, mit oder ohne Studentenausweis, mit oder ohne Reisegruppe ab zwei Personen. Und wer 21 verwitwete Socken (das sind solche, die des Gegenstücks verlustig gegangen sind) mitbringt, kommt überhaupt gratis rein. Sollte in manchen Haushalten ja kein Problem sein, oder, Mariella? Nach dem Besuch des Nonseums könnte das Küchenmuseum, im Innenhof nur eine Tür weiter, als Eindruck mitgenommen werden. Oder die Reisegruppe steuert gleich einen Weinbaubetrieb an. Wir entschieden uns für einen kurzen Besuch des Küchenmuseums („jööö, schau, solche Töpfe hatte auch meine Oma und so einen Herd auch …!“) und für eine ausführliche Erkundung eines Weinbaubetriebs, von denen es in Herrnbaugarten übrigens noch mehr gibt als Museen. Weingalerie s’Presshaus Unsere Wahl fiel fast zufällig auf die Weingalerie s’Presshaus, und es war keine schlechte Wahl. Der Innenhof des X-Kanthofes (mit Fortdauer des Aufenthalts zählten wir mehr und mehr Kanten, begonnen hat’s mit vier) ist von wahrer Idylle, der Traubensaft ist sowohl als Most als auch in einem späteren Gärungszustand ein guter Tropfen, die Brettljaus’n hält zusammen, was auseinanderzufallen droht. Und dann noch der Milchkaffee in charmanter Begleitung eines frisch aufgebackenen Nusskipferls – so muss ein Sonntagsausflug an einem Samstag sein! Weingalerist Friedl Umschaid soll eine der Triebfedern sein hinter dem verruckten Dorf, das hatten wir zuvor schon recherchiert, was wir ihn selbst aber natürlich nicht fragten: Entschuldigen Sie, sind Sie verantwortlich für dieses verruckte Dorf? Wie kommt man auf eine solch verruckte Idee, ein aufrechtes Dorf im Weinviertel in außerordentliche Schräglage zu bringen? Sind sie etwa selbst schräg oder gar verruckt? Stattdessen führten wir Smalltalk über Wein und Wetter und absolvierten die Führung durch den Umschaid’schen Labyrinthkeller im Trockentraining. Die Sonne schien einfach zu schön auf den Innenhof, als dass wir in den Keller gehen wollten. Laut Friedl Umschaids Erzählungen aber allemal lohnend – für uns halt nur ein anderes Mal. Weil kommen werden wir bestimmt wieder, viellecht schon zum berühmten „Ehret den Sock’-Wandertag“, heuer am 26. Oktober (was abschließend als kleiner Veranstaltungstipp gelten darf). « www.herrnbaumgarten.at « www.nonseum.at GALLERY{gallery}/MAGAZIN/unterwegs/carlo_verruckteDorf/Gallery_3/:122:158{/gallery} {gallery}/MAGAZIN/unterwegs/carlo_verruckteDorf/Gallery_4/:169:133{/gallery} {gallery}/MAGAZIN/unterwegs/carlo_verruckteDorf/Gallery_1/:169:133{/gallery} {gallery}/MAGAZIN/unterwegs/carlo_verruckteDorf/Gallery_5_neu/:122:158{/gallery} {gallery}/MAGAZIN/unterwegs/carlo_verruckteDorf/Gallery_6/:169:133{/gallery} Text und Fotos: Carlo Carotti
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