Film: PLASTIC PLANET
FILME
Ein Film, der unter Beweis stellt, dass selbst unser Egoismus unserer Dummheit unterlegen ist. Wer hätte das gedacht?!






Plastic Planet
2009, Dokumentarfilm, Regie: Werner Boote

Ein Film zum Anschauen! Absolut. Und wieder ein Film zum Hinschauen. Ein Weckruf. Ein Appell. Ein Aufschrei. Schaut ihn euch alle also verdammt noch mal an!

Wieder einer dieser Filme also. Diese lästigen Filme, diese neue Mode, diese verheerende sadomasochistische Art uns vorzuführen ... uns vor Augen zu führen, welch Wahnsinn die menschliche Verhältnislosigkeit mit der Welt anrichtet. Diesmal wird uns der Blick auf ein Material geschärft, eines, das zweifelsfrei den Planeten für sich eingenommen hat und vom Menschen höchstpersönlich entwickelt wurde und in ungeheuerlichen Massen produziert, eingesetzt und gebraucht wird – Plastik.

Vorweg ein Geständnis. Neben all den Eindrücken, Gedanken und Bildern, die mir Plastic Planet hinterlassen hat, bin ich auch zu folgendem Ohrwurm seit Tagen verdammt: " ... I'm a barbie girl in a barbie world - life in plastic - it's fanastic ... " Keine Angst! Dieses schauderliche Musikstück kommt nicht vor, ganz im Gegenteil: Die musikalische Untermalung des Filmes von der Band The Orb passt wunderbar dazu und hat mir sehr gefallen.


Der Film.

Schon der Beginn des Filmes geht mit einer Erkenntnis einher: Ja, wir leben definitiv im Plastik-Zeitalter. Die Normalität und Allgegenwärtigkeit dieses Stoffes wird uns von Beginn an und durchgehend vor Augen geführt, was man als halbwegs reflektierte_r Kinobesucher_in schnell einzusehen vermag. Schließlich knistern die Verpackungen der jeweiligen Knabbergebäckvorlieben, und auch das Aufschrauben der Getränkeflaschen begleitet die Vorführung ganz selbstverständlich.

Werner Boote, der durchwegs schwer sympathische Wiener, macht sich auf eine Spurensuche, auf die ihn sein Großvater gebracht hat. Und diese führt ihn kreuz und quer über den Planeten. Der persönliche Bezugspunkt erleichtert den Einstieg ungemein, und anders als bei beispielsweise Micheal Moore Filmen fühlt man sich nicht in Situationen gestoßen, die allzu gerne als 'befremdlich' empfunden werden, sondern wächst – behutsam begleitet – ganz einfach in die Thematik hinein.

Ausgehend von einer österreichischen Kindheit mit dem Großvater, der dieses wunderbare, unglaublich multifunktionelle, formbare, leichte und bruchfeste Material nahezu vergötterte – kein Wunder, denn damals, als Plastik sich aufmachte die Welt zu erobern, war es eine große Errungenschaft gewesen. Werner Boote stellt sich jedoch bald der Frage, "Ist Plastik denn schädlich?", und geht ihr auf den Grund.

Weitab von diesem Ausgangspunkt führt dich Plastic Planet an die bizzaren Abgründe einer Gesellschaft, die wir sind. Leider kann ich glauben, was ich da sehe. Weil es Teil meiner – unserer –allgegenwärtigen Realität ist. Im Laufe des Filmes werden wir auf einige Probleme dieser Alltagsrealität aufmerksam gemacht, die erschütternd sind.


Der Planet Plastik.

Eines der größten Probleme: Auch Plastik, so unglaublich wunderbar einsatzfähig es auch ist, korrodiert. Die Plastikmoleküle lösen sich – durch Hitze, Reibung etc. – und werden so freigesetzt. Das geschieht auch mit hochwertig produziertem Plastik. Und Plastik minderer Qualität? Das müsst ihr euch selbst zu Gemüte führen! Die unglaublichen Details über die gefährlichen Stoffe, die in Plastik vorhanden sind, findet ihr u.a. hier: www.plastic-planet.at/wiki/wiki.html

Plastik ist – so beweisen die 700 Studien über die Schädlichkeit von Plastik und seinen Inhaltsstoffen, die Werner Boote gesammelt hat – bedrohlich für uns Menschen, bedrohlich für das Ökosystem Erde, und es ist bereits überall in der Biosphäre vorhanden. Wir atmen es mit unserer Luft ein, es schwimmt in unseren Meeren, unsere Lebensmittel sind voll davon, es dringt in unseren Stoffkreislauf ein. Selbst Inuit und Amazonas-Indianer haben es im Blut. Wasservögel füttern ihre Jungen damit, die daran verenden, und ähnlich ergeht es den Fischen, die die Plastikteilchen in den Ozeanen für Plankton halten. Kein Wunder! Ist doch das Verhältnis Plastik zu Plankton in unseren Meeren 6:1!

Wir atmen und essen also Plastik, und die Tiere tun es uns gleich (was haben die schon für eine Wahl!?). Bei Lebensmitteln, die in Verpackungsmaterial eingepackt sind, die bestimmte Plastikinhaltsstoffe enthalten, müssten diese Stoffe in der Liste der Lebensmittel-Inhaltsstoffe angeführt werden, da sich ein wahrhaft nennenswerter Prozentanteil davon in der jeweiligen Nahrung befindet.

Fische und Ratten entwickeln sich durch diese Stoffe zu Zwitterwesen, und auch auf die Fruchtbarkeit von uns Menschen wirken diese Chemikalien extrem. Denn: Plastikinhaltsstoffe beeinflussen unseren Hormonhaushalt. Also: Da sie ja alle aus Plastik bestehen, gibt es wohl kein nicht hormonell beeinflussendes Verhütungsmittel, oder irre ich!? Nach Hingehen-und-sich-Vermehren ist einem nach so einem Realitätsschock allerdings auch kaum noch. Abgesehen davon, ob wir danach noch in der Lage sind und wer dazu noch in der Lage ist!

Mich suchen beinahe ebenso viele Bilder und Erinnerungen heim, wie sie auf der Leinwand gezeigt werden. Zuallererst fiel mir der Müllplanet ein, der in einer Futurama-Folge die Erde bedroht. Schon ist die Erde selbst dieser Planet geworden. Und das in meiner Wirklichkeit! Ich denke an den Plastikboden, auf dem ich Krabbeln gelernt habe, an den Geruch meiner Little Ponys, wenn ich sie frisch aus der Verpackung heraus gekämpft hatte, an mein Lego-Piratenschiff, mit dem ich in der Badewanne gesessen bin und jene ganz bestimmte Playmobil-Figur, auf die ich so gerne gebissen habe, wenn ich stinkewütend war ...

Auch 'Plastic-Planet' hinterlässt ein wütendes Gefühl. Auf Plastik werde ich wohl deshalb nie mehr zu fest beißen. Ob ich aber wohl nun nie wieder aus einer Plastik-Flasche trinken werde? 'Plastic-Planet' hinterlässt nämlich auch ein Gefühl der Ohnmacht, und durch die Saaltüren werden wir in eine Welt entlassen, in der es kaum Wege an diesem Material vorbei gibt. Ich würde also lügen, würde ich diesem Subtitel zustimmen, aber grausen wird mir wohl noch ein Weilchen dabei!

Und? Wird's das dann gewesen sein? Hat der Film neben Nebenwirkungen auch Nachwirkungen? Wird er große Wellen schlagen? Ist so ein heilloser Wahnsinn vielleicht doch noch heilbar?

Am Ende, wenn der Abspann beginnt, hört man die Melodie Bruder Jakob von einer Kinderspieluhr gespielt – in kinogerechtem Dolby Sourround – durch den Vorstellungssaal klimpern.

Ja, wir schlafen wohl alle. Irgendwann wird's dann Zeit werden, aufzuwachen. Und wie böse dieses Erwachen werden wird, hängt alleine von uns ab.

Gebt euch alle zumindest eine ordentliche Portion Weckruf und schaut euch für den Anfang diesen wahrhaft gelungenen Film an! Und – wenn ihr schon beim Erwachen seid – auch die umfangreiche und höchst informative Homepage zum Film: www.plastic-planet.at

In diesem Sinne:
" ... I'm a barbie girl in a barbie world - IMAGINATION - LIFE IS YOUR CREATION ... "

A
lexKnowsNoEnd – aber auch auf checkpot wird's zu diesem Thema bestimmt noch mehr geben!