| SCHLÜSSELBLUME |
| WILDKRÄUTER | |||
Der erste Frühlingsbote ist bestens dafür geeignet, die letzten Winterkrankheiten zu vertreiben.
Primula veris SCHLÜSSELBLUME Laut einer alten Volkssage haben wir die Schlüsselblume drei gelangweilten Engeln zu verdanken: Diese kopierten den Himmelsschlüssel von Petrus, um der Eintönigkeit des Himmels zu entkommen und auf der Erde ein wenig Unfug treiben zu können. Doch vergaßen sie, das Himmelstor wieder hinter sich zu schließen, und so sendete Petrus ihnen die Erzengel hinterher, um das aufmüpfige Engelspack wieder zurückzubringen. Dieses gelang den Erzengeln schließlich, denn an der Stelle, an der die drei geflohenen Engel vor Schreck den Schlüssel fallen ließen, ließ Gott eine Wiese voller Schlüsselblumen erblühen. So konnten die Ausreißer leicht gefunden werden. Wen die Vorstellung von einem Himmel, der so langweilig ist, dass man aus ihm fliehen muss und, was vielleicht noch abschreckender ist, die zwangsweise Rückentführung in denselbigen etwas abschreckt, für den gibt‘s auch weniger christlich assoziierte Überlieferungen: In den alten paganen Religionen war die Schlüsselblume eine Sonnenpflanze des Frühjahrs, mit denen die Altäre zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche geschmückt wurden. Zu diesen Feiern, die der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostara (daher das spätere „Ostern“) geweiht waren, feierte man die Rückkehr der Sonne und die Fruchtbarkeit der Erde. Dementsprechend sah man die erste, erblühende Kraft der Sonne in den Schlüsselblumen – eine Vorstellung, die, wenn auch in etwas anderer Form, auch heute noch präsent ist, wenn man die Blüten der Pflanze gegen melancholische Zustände zu sich nimmt. {gallery}/KRAEUTERECK/WILDKRAEUTER/gerhard_schluesselblume/reihe_hx2/:265:353{/gallery} VERWENDETE TEILE Blüten, Wurzel HEILWIRKUNG Bei der Schlüsselblume muss man zwei Anwendungsgebiete unterscheiden: Einerseits die traditionelle Anwendung als beruhigendes und stimmungsaufhellendes Mittel, andererseits die wissenschaftlich bestätigte Anwendung bei Formen des festsitzenden Hustens. Hildegard von Bingen empfahl Schlüsselblumenblüten bereits bei „Melancholie und Wahnvorstellungen“ und auch heute werden sie in der Erfahrungsmedizin immer wieder bei nervösen Unruhen, Verstimmungszuständen und Schlafstörungen empfohlen. Dabei gehört die Schlüsselblume sicher nicht zu den klassischen aufs Gemüt wirkenden Pflanzen, sie stellt aber eine erwähnenswerte Alternative dar. Die Wirkung der Wurzel der Schlüsselblume hingegen ist recht gut wissenschaftlich untersucht. In ihr finden sich in beachtlichem Ausmaße sog. „Saponine“ (diese sind zwar auch in der Blüte zu finden, jedoch in erheblich geringerer Konzentration). Saponine sind Seifenstoffe, die festsitzenden Schleim lösen und durch eine Reizwirkung auch zu erhöhter Schleimproduktion führen – beides Wirkungen, die besonders bei allen Formen von Husten mit festsitzendem Schleim hilfreich sind. Die Schlüsselblume hilft den Schleim zu lösen und ihn besser abzuhusten. >>WARNHINWEISE & NEBENWIRKUNGEN Auf jeden Fall ist auf eine Allergie gegen Primeln zu achten. Bei der Verwendung der Blüten sind keinerlei Nebenwirkungen zu befürchten, vorsichtiger sollte man beim Gebrauch der Wurzel sein. Da Saponine reizend auf die Schleimhäute wirken, ist auf genaue Dosierung und Anwendungsdauer zu achten, um Magenprobleme zu vermeiden. Für Säuglinge und Kleinkinder ist es deshalb besser, Schlüsselblumenwurzeltee nicht zu verwenden. ANWENDUNG Innerlich: Blüten: 2 Teelöffel im Aufguss, 5-10 Min zugedeckt ziehen lassen, mehrmals eine Tasse täglich. Wurzel: ¼ Teelöffel (0,2 – 0,5 g, notfalls abwiegen) mit kaltem Wasser ansetzen, zum Sieden erhitzen, 5 Min. ziehen lassen, ca. alle 3 Stunden eine Tasse trinken. Wurzeltee besser nicht länger als eine Woche anwenden! Äußerlich: keine {gallery}/KRAEUTERECK/WILDKRAEUTER/gerhard_schluesselblume/reihe_bx3/:170:128{/gallery} VORKOMMEN-HERKUNFT-ANBAU Die Schlüsselblume wächst gerne auf Wiesen, an Wald- und Wegrändern. Man findet sie in ganz Europa, aber auch in Zentral- und Vorderasien. Bei uns sind vor allem zwei Arten verbreitet: die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) und die Echte Schlüsselblume (Primula veris). Beide sind offizinell (also heilkräftig), sowohl als Samen als auch als Pflanzen erhältlich und ohne größere Probleme im Garten zu kultivieren. ERKENNEN-ERNTEN-LAGERN Vor allem die Echte Schlüsselblume gilt als Heilpflanze. Sie wird 10-20 cm hoch, ihre Blüten sind dottergelb und duftend – was eine Unterscheidung zur Hohen Schlüsselblume zulässt, denn deren Blüten sind hellgelb und nicht duftend – und sie blüht von März bis Mai. Achtung! Die Schlüsselblume steht unter Naturschutz und darf deshalb nicht gepflückt werden! In der Apotheke besorgt, oder aus dem eigenen Garten entnommen, lagert man die getrockneten Blüten oder Wurzeln luftdicht, lichtgeschützt und trocken. SAMMELZEIT Die Blüten sammelt man von März bis Mai, die Wurzel wird im besten Fall erst im dritten Jahr geerntet.
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