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Anna stellt sich diesmal der Frage: Gibt es ein Lebensmittel, von dem wir uns ausschließlich ernähren könnten?
GIBT ES EIN LEBENSMITTEL, VON DEM WIR UNS AUSSCHLIEßLICH ERNÄHREN KÖNNTEN?
Ich sage hiermit gleich zu Beginn: nein. Wir sind leider keine Kuh, deren Stoffwechsel so gefinkelt ist, dass sie alles, was sie braucht, aus ein paar grünen Halmen herausholen bzw. zusammenbauen kann. Wir sind auch kein Koalabär, der das noch besser kann – wie wir alle wissen, lebt er nur von Eukalyptus. Wir sind der Mensch, der ja noch nicht allzu lang mit seiner Anwesenheit die Erde beglückt und erstaunt, und daher wäre evolutionsmäßig schon noch einiges zu tun in unserem Verdauungstrakt. Wir brauchen die Vielfalt. Wir brauchen Kohlehydrat und Eiweiß und Fett und Mineralien und Vitamine. Und das alles brauchen wir in mehrfacher, unterschiedlicher Ausführung. Unsere physischen Bedürfnisse haben eine hohe Bürokratie, lange Wartezeiten, komplizierte Transportwege. Klar, immer noch ist es ein grandios durchdachtes, toll funktionierendes System, aber DAS geht einfach nicht. Jedoch waren einige Lebensmittel im Gespräch, so etwas wie ultimativ zu sein, allen voraus der Erdapfel. Er ist ein nährstofflicher Allrounder. Jedoch fehlt ihm immer noch einiges, was unser Körper will und braucht – und siehe oben, der will und braucht so vieles! Es gibt noch ein anderes Argument gegen den Erdapfel als ausschließliches Lebensmittel: Er macht, über die Maßen und über längere Zeit genossen, materialistisch. (Das ist jetzt nicht wissenschaftlich zu belegen, und ich bin froh, hier keine Zitierregeln beachten zu müssen, daher darf das da jetzt stehenbleiben.) Diese Überzeugung teile ich mit den Anthroposophen, von denen ich mich sonst möglichst fernhalte, aber hier bin ich ihrer Meinung. Den verschlungenen Erklärungsweg jetzt nachzuzeichnen, würde zu weit führen, wen er interessiert, kann ihn ja nachlesen oder mich auf einen Kaffee einladen, dann erzähl ich die Geschichte. Hier möchte ich nämlich jetzt eine andere Geschichte erzählen. Drei Männer kamen ins Gefängnis, sie wurden eingesperrt. Als zusätzliche Einschränkung ihres Wohlbefindens wurde ihnen eine Frage gestellt: Wovon wollt ihr leben für die Dauer eurer Inhaftierung? Welche Speise? Welches Getränk? Jeder von euch darf wählen und sich entscheiden, aber nur für eines. Und dann gibt’s kein Umschwenken mehr, auch kein Tauschen. Es war heiß an diesem Tag, auch im Gefängnis, und so sagte der erste, trinken ist am wichtigsten, ich möchte Wasser, das ist wohl essentiell. Dieser Mann verhungerte nach wenigen Wochen. Der zweite sagte, hm, naja, das Grundnahrungsmittel ist Brot, Getreide, das brauche ich auf jeden Fall, ich nehme Brot. Wie wir uns denken können, kostete auch ihn seine Entscheidung letztlich sein Leben. Nur noch rascher. Der dritte war schlau, wie jeder dritte, er wusste, da gibt’s was, das stellt einen Mittelweg dar, eine Flüssigkeit, die aber auch nahrhaft ist. Er nahm Milch und überlebte seine Gefangenschaft. Eine schöne Geschichte, find ich, obwohl ich weit davon entfernt bin, Loblieder an die Milch zu singen - vor allem aus dem Grund, weil die eine viel zu große Lobby hat. Und viel zu viele Halbwahrheiten in ihr herumschwimmen. Weil sie auch so eine Anwärterin ist für angebliche Exklusivrechte – ich sag nur Kalzium, das Mohn und Brokkoli viel besser können, die lachen höchstens verächtlich über die Milch und ihre Bemühungen. Ich sage also: Trinkt und esst alles, was ihr in die Finger bekommt, Hauptsache es schmeckt euch, und hört auf, wenn ihr satt seid.
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